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Christ sein – Christ werden.
Unter dieses Motto haben wir den Gemeindebrief gestellt um einmal ein Nachdenken und vielleicht auch das eine oder andere Gespräch anzuregen. Ein paar Menschen haben wir einen Fragebogen zum Thema gegeben. Eine kleine Auswertung mit exemplarischen Äußerungen geben wir in diesem Gemeindebrief als Anregung wieder. Der Fragebogen stammt übrigens aus einer Arbeitseinheit mit Konfirmanden, die diesen gegen Ende Ihrer Konfizeit als Entscheidungshilfe bearbeiten und dann in Kleingruppen miteinander Ihre Ansichten austauschen. Wir stellen daher auch die Fragen teilweise in diesem Gemeindebrief vor.
Nun aber zum Thema selbst. Christ sein – Christ werden. Diese Überschrift setzt eine Spannung. Die Spannung zwischen „schon jetzt“ und „noch nicht“, die vielleicht für das Christ sein kennzeichnend ist. Immer wieder taucht diese Denkfigur in der christlichen Theologie auf, insbesondere in Bezug auf das Reich Gottes: Es ist angebrochen (mit Jesus Christus), aber es ist noch nicht verwirklicht – das erwarten wir von der Zukunft, wenn Jesus Christus einmal wiederkommt. Nur in dieser Spannung von „schon jetzt“ und „noch nicht“ kann Christ sein gelebt werden. Für die evangelische Kirche bedeutet das von jeher, dass Christ sein ein lebenslanger Lernprozess ist. Nicht umsonst ist das deutsche Schulwesen maßgeblich durch den Reformator Philip Melanchthon vorangebracht worden.
Dennoch Christen sind wir auch schon jetzt. Konfirmandinnen und Konfirmanden sind in dieser Hinsicht oft sehr zurückhaltend. Ihr Respekt vor dem christlichen Anspruch ist so groß, dass sie sich oft nicht trauen, von sich zu sagen, sie seien Christen. Wie also wird man wirklich ein Christ.
Da gilt: Es ist nicht unser Tun zuerst, dass wir wahre Christen werden. Am Anfang steht Gottes Tun, das wir uns in der Feier der christlichen Taufe vergegenwärtigen. Dort werden wir zu Gottes Kindern, da begegnet uns seine gute, seine gnädige, seine gutmachende also segnende Zuwendung. Da werden wir Christen und dürfen uns zu seinen Kindern zählen. Christ ist, wer getauft ist. Zugleich ist das übrigens auch die Gründungsurkunde der christlichen Kirche. Kirche wird Kirche durch die Taufe und alle Getauften (übrigens egal, ob sie noch Kirchensteuer zahlen oder nicht) bilden die christliche Kirche. Damit ist eine Antwort auch auf die Frage oder These mancher Menschen gegeben, nach der einer auch ohne Kirche Christ sein könne. Aber, mit Verlaub dazu können wir aus der christlichen Geschichte her und der Tradition nur ein eindeutiges „Nein“ sagen. Christ sein heißt ein Glied am Leibe Christi sein und das heißt Kirche sein, bei aller Kritik und allen Vorbehalten, die einen beim Blick auf die real existierende Institution Kirche kommen mögen.
Also dieses ist klar: schon jetzt sind wir Christen und zwar allein durch die Taufe. Allerdings bleiben wir nicht davon verschont, dass damit der Anspruch gestellt ist, dass wir unserem Erbe als Kinder Gottes auch gerecht werden mögen, also unser Leben von diesem Ursprung, unserer Taufe her auch gestalten mögen und als Christ leben. Das ist und bleibt eine lebenslange Herausforderung. Es bleibt an uns, als Christen die wir sind, immer wieder und immer wieder neu zum Christen zu werden. Aber wir haben es als Schatz – bei den meisten – schon in die Wiege gelegt bekommen. Es ist unsere Aufgabe den Schatz zu entdecken und zu leben aus dem Gefühl und dem Wissen heraus, dass Gott es gut mit uns meint und uns zu seinen Kindern gemacht hat.
Pfarrer Matthias Welsch
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