|
Gockel.info April 2006
Wie steht es mit den Familie in der Single- und Patchworkgesellschaft?
In einer vollständigen Familie zu leben ist nicht mehr selbstverständlich.
Immer mehr Menschen leben lieber alleine.
Kinder sind ein Armutsrisiko.
Aber, die Renten sind nicht mehr sicher, weil die Gesellschaft immer älter wird, kurz der Nachwuchs fehlt.
...
Lauter Bestandsaufnahmen, die fragen lassen wie es um die Familie steht in unserer Gesellschaft.
Familien sind überlebensnotwendig für den Fortbestand einer Gesellschaft. Denn ohne Familie keine Kinder, ohne Kinder kommt das Generationengefüge aus dem Tritt.
Warum aber, ist es so unattraktiv Kinder zu kriegen. Da gibt es eine Vielzahl von Gründen, neben den ganz persönlichen, dass Menschen in der individualisierten Gesellschaft sich immer weniger fest binden wollen, ihre persönliche Freiheit groß schreiben, die Verantwortung scheuen ... , neben all diesen Gründen stehen die ganz einfachen Fakten:
Wer Kinder bekommt muss verzichten: Zunächst auf Geld - da gibt es ja die verschiedensten Hochrechnungen 1 Kind = 1 Ein-Familienhaus und so. Aber das ist, auch wenn es viele vor allem Singles nicht glauben auch faktisch so. Kinder stellen ein Armutsrisiko dar. Schon ich selbst habe oft genug fest gestellt, dass ich inzwischen - obwohl Pfarrer ja noch zu den relativ gut Verdienenden gehören - zumeist weniger Geld zur freien Verfügung habe als zu Zeiten meines Studiums, wie geht es erst schlechter verdienenden Familien?
Tatsächlich tragen Familien immer noch einen großen Teil der finanziellen Lasten, die Kinder bedeuten alleine: eine Vielzahl von Kosten, die nur geringfügig durch staatliche Hilfen ausgeglichen werden und von der Steuerersparnis lange nicht wett gemacht werden. Familien finanzieren die Renten all derer, die nicht bereit sind, die Lasten der Kindererziehung auf sich zu nehmen. Steuererhöhungen wie die geplante Mehrwertsteuererhöhung betreffen Familien in besonderem Maße, denn ihre Kosten steigern sich dadurch immens, denn es müssen ja mehr Personen versorgt werden (als z.B. in Singlehaushalten oder Haushalten mit zwei Verdienern ohne Kinder). Die gleichzeitig versprochenen Verbesserungen für Familien bleiben da ein Tropfen auf dem heißen Stein.
Gerechtigkeit kann es hier eigentlich nur geben, wenn Menschen ohne Kinder steuerlich sehr viel höher belastet werden und Familien dafür entlastet bei Kindergartengebühren, Steuern und anderen Lasten. Es bräuchte die Kinderlosensteuer, die sich aber nur durch veränderte Bedingungen bei der Einkommenssteuer erreichen lässt. Es sind also kostenfreie Kindergärtenplätze zu fordern, Erhöhung von Kindergeld und Kinderfreibeträgen, vielleicht auch die Mehrwertsteuerfreiheit für Familien?, bei gleichzeitiger Anhebung der Steuern für Kinderlose. Denn diese profitieren in erheblichen Umfang davon, dass es Familien mit Kindern gibt. Alternative wäre nur noch z.B. die Verdoppelung des Rentenbeitrages für Kinderlose oder die drastische Verringerung ihrer Renten.
Ich gebe zu, diese Gedanken sind provokant und vor allem unpopulär. Kinderlose sind nämlich auch ein erhebliches Wählerpotential, das Politiker natürlich nicht abschrecken wollen.
Aber die Zeche zahlen die Familien - das kann keine zukunftsorientierte Gestaltung unserer Gesellschaft sein und schließlich müssen dann auch Eltern mit Kindern noch bis 67 arbeiten, um Rente zu bekommen.
Ein drastisches Umdenken muss her, damit der Generationenvertrag in unserer Gesellschaft auch zukünftig noch funktioniert.
Provokante Thesen sind dafür da diskutiert zu werden. Ich würde mich über eine Diskussion an dieser Stelle freuen.
Ihr Pfr. Matthias Welsch
ZURÜCK
|