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In der Liebe wachsen
„in der Liebe wachsen“ das Motto der Petrusgemeinde Urberach ist dieser Tage durch das Erscheinen der päpstlichen Enzyklika aktueller denn je geworden.
Papst Benedikt XVI. stellt seine erste Enzyklika sozusagen unter dieses Motto. Eine erste Durchsicht durch den Text zeigt, dass Benedikt XVI. die erotische Dimension der Liebe nicht aus seinem Verständnis ausklammert und vom kirchlichen Liebesbegriff aus sein Verständnis von Ehe entfaltet. Er wehrt sich dezidiert gegen den Vorwurf der Leibfeindlichkeit in der Kirche, ohne jedoch das Problem des Zölibats in diesem Zusammenhang auch nur zu erwähnen. Ehe er dann später vor allem auf die karitative Bedeutung der Liebe zu sprechen kommt, also auf die Nächstenliebe und daraus Folgerungen für das sozialpolitische Engagement der Kirche zieht.
Was erstaunlicherweise in der Enzyklika nicht im Zusammenhang mit der Liebe vorkommt ist der Begriff der „Feindesliebe“, obwohl doch gerade hier die christliche Nächstenliebe auf dem Prüfstand steht. Den „Nächsten“ zu lieben, das ist doch fürwahr einfach, aber wie ist es mit den Fernen, den Fremden, gar den Feinden.
Prof. Hans Küng hat das auch sogleich kritisiert. Er fragt, wie es mit der Liebe in Bezug auf andere Konfessionen oder gar Religionen oder Kulturen aussieht. Hier schweigt die Enzyklika, obwohl doch gerade hier das Wachsen der Liebe gefordert wäre: Im Zugehen auf die Fernen und die anders denkenden.
Auf jeden Fall ist es lohnend das Thema aufzugreifen und neu zu diskutieren.
Dabei käme es übrigens auch darauf an den neutestamentlichen Liebesbegriff, der mit dem griechischen Wort „Agape“ ausgedrückt wird auch philologisch genauer auf den Grund zu gehen. Denn hier hat sich bis in die Enzyklika hinein ein exegetisches Missverständnis tief ins theologische Bewusstsein der Kirchen eingegraben, dass nämlich die „Agape“ im Gegensatz zum alten griechischen Wort Eros zu verstehen sei. Es gibt viele sprachliche Hinweise, dass dies nicht der Fall ist. Das neue Testament ist ja nicht in der Sprache der griechischen Philosophen geschrieben, sondern in der Sprache der einfachen Menschen. In Korinth wohin der Apostel Paulus ein ganzes Kapitel über die Liebe schreibt, gab es wahrscheinlich als Stadt mit zwei Häfen eines der größten Rotlichtmilieus der Antike. Paulus spricht die Sprache der Korinther in seinem Brief und er wird für Liebe kein neues Kunstwort verwendet haben, dass die Menschen nicht verstanden. Er wird vielmehr ein gebräuchliches Wort in einen neuen Kontext gestellt haben, sodass das Problem späterer Theologen und griechischer Philosophen, wonach die leibliche und die geistliche Liebe auseinander fielen, für damalige Zuhörer sehr wahrscheinlich gar nicht existierte. Es gibt dafür aber auch archäologische Belege, z.B. eine antike Vase mit einer unmissverständlich erotischen Darstellung, die den griechischen Titel Agape trägt.
Vielleicht lohnt sich auch in unseren Reihen eine Diskussion über die Liebe, die vielleicht auch die Grenzen der Konfessionen überspringen könnte.
Matthias Welsch
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